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Erfahrungsfeld Frühling & Sommer, geöffnet von 9.00h-17.00h
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Denkmal

Am eindrücklichsten hat das Miguel erlebt und er lebt das jeden Tag. Miguel wirkt im Schloßcafé, ohne große Beachtung der Räumlichkeiten hat er „seine“ Cafékultur im Schloß entwickelt. Von Jahr zu Jahr hat sich seine Beachtung und Sorge für den Raum mit seinen Rissen, Abbrüchen, Zerstörungen und Bauschäden soweit gesteigert, dass er mit einer gründlichen Recherche begann.

Miguel ist im www zuhause und hat die Spuren der Schloßerbauerin und des Schloßerbauers zurückverfolgt. Heute hängen zwei Fotografien von Marie Eugénie Vicctoire (Yvonne) Guerinet und von James Pitcairn Knowles im Schloßcafè. Miguel hat sogar einen „Liebesbrief“ gefunden:

„Oh! My mountain of joy, my Freudenberg which I loed so much! Unique place which I created …
My spirit rests in this corner of land, my little kingdom Freudenberg.“

Dieser Brief hängt an einem roten Faden von der Decke mitten im Schloßcafè.
Auf seiner Suche stößt Miquel auf die Wiesbadener Friedhofsverwaltung. Das Grab von Yvonne wird aufgelöst und der Grabstein soll entsorgt werden. Als „Freudenberger“ weiss Miguel: Es gibt keine Entsorgung. Das Entsorgte versammelt sich und wartet darauf „besorgt“ zu werden. (Miguels Chef, Martin aus Wien, nennt den Hausmeister und Hauswart Hausbesorger. Einer der sich um die Sorgen kümmert. Und Miguel hat es geschafft, dass der Grabstein mit der Inschrift: Yvonne 1870 – 1959 Eternel en Èternitè (Ewig in Ewigkeit) R.I.P. (requescat in pacem, ruhe in Frieden) im Schloßpark Freudenberg seinen Platz gefunden hat.

Ein kostbarer Holzboden, im Würfelmuster verlegte amerikanische Eiche, mittendrin ein Loch 5 cm Durchmesser, fein ausgesägt und eingefasst. Im Archiv des Dotzheimer Heimatforschers Max Watzke (1913 – 2003) fanden wir eine Aufnahme. Mitten im Raum steht eine große grüne Wanne davor eine kleine Holztreppe. Das war das Taufbecken der United Pentecostal Church (Pfingstgemeinde), die das Schloß von 1977 – 1984 nutzte und hier ein Internat, eine Kirchengemeinde mit Bibliothek, Kirchenraum mit Taufzimmer einrichtete. Nun fanden täglich bis zu 3 Gottesdienste statt und immer gab es die Möglichkeit für eine Spontantaufe in Form der Jordantaufe. Der Täufling wird unter Wasser gehalten. Dazu wurde dieses Wasserbecken installiert. Das Taufwasser wurde täglich wieder abgelassen, ohne große Umstände wurde das Wasser ins Erdgeschoss abgelassen.

Über die Jahre durchfeuchtete das Taufwasser die Holzböden, Holzwände und Decken, überhaupt alle Türen und Fenster. In diesem Zustand fanden wir bei unserem ersten Besuch im Schloß 1993 ein völlig verschimmeltes und von Hausschwamm bewohntes Schloß Freudenberg.

Ein von Hausschwamm befallenes Haus wird sehr oft zum Abriss freigegeben.

In unserem Fall lebte der Hausschwamm fast 10 Jahre lang allein im Schloß. Sein Fruchtkörper blühte im ehemaligen Wintergarten im Erdgeschoss. Ein Tischtennisplatten-grosser, tief oranger Teppich.

Feine Härchen und auf den Spitzen eine Wasserperle. Sehr spontan und unvorbereitet luden wir zur Besichtigung dieses Wesens ein. Aus Mainz kam Prof. Edelmann mit seinen StudentInnen im Fachbereich Architektur, Denkmalpflege, Bausanierung usw. Er setzte uns vollumfänglich in Kenntnis über dies großen Gefahren des „Deutschen meldepflichtigen echten Hausschwamms“ (Einsturzgefahr, holzzerstörend, sucht sich ein feuchtes, windstilles und nicht zu kühles Milieu, mit seinen Fäden durchzieht der Schwamm das ganze Gebäude, überlebt Jahrzehnte und kann immer wieder „ausbrechen“).

Wir erinnerten uns an unseren Kunstfreund Stephan Stüttgen (Düsseldorf, Meisterschüler von Joseph Beuys) und er machte uns zusammen mit Gisela Groener-Stüttgen (Studium bei Joseph Beuys) mit einer Methode vertraut, die helfen kann, um Ungewolltes umzusiedeln. In aller Kürze: Wir fabrizierten einen grossen Komposthaufen am Waldrand des Schloßwaldes und bauten einen Weg ins Schloß zum Fruchtkörper des Schwamms.

Und unser Spruch war: Wir sind hier eingezogen, wir kümmern uns ums Schloß, Du bist frei von deinem Wirken und wir haben eine neue Wirkstätte eingerichtet.

Natürlich gibt es eine DIN 68 800-4, die festlegt, wie man den Schwamm bekämpfen muss. Eine Fachfirma hat uns begleitet und wir haben uns erfolgreich ergänzt: Der Hausschwamm hat uns verlassen.

Im Schloßcafé seht ihr in den Ecken zwei Löcher, zwei Durchbrüche um Telefonleitungen zu verlegen.
Aus einer Zeit, wo das Schloß als Offizierskasino und als Rod and Gun Club eine Jazz- und Westernbar war.

Und jetzt starren Dich zwei Löcher an. In den ersten Jahren war einer der meistgegebenen Kommentare: Könnt ihr die nicht verputzen und beistreichen? War’s Protest oder Unverständnis, wir liessen’s wie es war. Bis der Künstler Inox Kapell uns ganz beiläufig fragte, ob er seine Ameisen Installation im Schloß aufbauen könnte. Das war’s: Inox ließ die Ameisen aus den Löchern kriechen und von dort über die Stuckdecke laufen. Ein Kommentar heute: Wie habt ihr das hingekriegt mit den Löchern? Das ist ja eine tolle Installation.

Eine weihnachtliche Betrachtung von Hugo Kükelhaus, 1954

„(…) Was sollen wir große Worte machen? Was sollen wir ‚nachdenkliche‘ Worte machen? Was sollen wir uns groß vornehmen? Wer sich dazu anschickt, hat Weihnachten nicht verstanden.

Weihnacht sind wir Kinder; sind wir wie Kinder. In der Mitte ein Kind, ist das Kind. Und die kleinen Kinder sind drumherum und die Großen, die wie Kinder sind. Einmal, dieses eine Mal wenigsten, wollen wir uns nichts vornehmen; wollen nicht an Leistung denken, nicht an Anstrengung. Da soll uns etwas gelingen, das von uns nichts anderes erfordert, als daß ich die Hände auf den Tisch lege, -

die Handflächen dieses Mal, dieses eine Mal nicht nach unten, als wenn ich etwas verdecken wollte oder festhalten oder an mich ziehen; sondern dieses eine Mal die Handflächen nach oben gekehrt, nach oben geöffnet, wie der Kelch einer Blume. (…)“

So versammeln sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft im Schloß ab und zu in der großen Eingangshalle.

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