Seelenraum
Bericht von Matthias Schenk & Adriaan Bekman zum Seelenraum 2026
"Touché", berührt
Eintritt in den Seelenraum: Leitern, Bretter, Stühle… Kieselsteine, Rundhölzer, ein Saxophon, ein Kontrabass… irgendwo Buntstifte, Wasserfarben, Papier... Was ist das? Was wird das? Sofort wird Unsichtbares sichtbar. "Komm, geh da hin, mal doch.", "Lena, steig auf die Leiter.“, Väter heben ihre Kinder auf Balancierbalken, "Stell Dich dorthin, dann kommst Du auch dran." Adriaan meldet sich und fordert dazu auf, zwei Steine zu nehmen und leitet eine "Steinmusik" ein. Jede und jeder wird sticht- und hörbar. Berührt.
Gott schuf die Welt aus dem Nichts.
Aber das Nichts dringt durch, will immer nach oben.
Paul Valéry, 1942
Die BesucherInnen im Seelenraum versuchen eine Holzkugel ins Ziel zu bringen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Kugel nicht vollkommen ist, sie hat eine deutliche Delle. Jeder hat drei Würfe und die Kunst ist, aus jedem Abwurf für den nächsten Wurf dazuzulernen. Und natürlich von den Würfen der anderen.
Die Seelenarbeit bleibt immer im Schatten, sie geschieht am Übergang von Licht und Finsternis. Im Rampenlicht verschwindet sie, ebenso wie im Dunkeln. Geradeso wie ein Regenbogen, der auch zwischen Sonnenlicht und Gewitterwolken aufscheint.
Fast so mutig wie die Mitteilung an meine Chefin, meine Mitarbeit zu beenden, schildert eine Besucherin ihre Beobachtung, wie ein kleiner Junge eine vier Meter hohe Holzleiter übersteigt. Ganz oben, am Kopf der Leiter angekommen, halten alle den Atem an.
"Das wichtigste beim Musizieren ist, das Du den anderen zuhörst", ist der Tipp von Adriaan an ein Mädchen, das zum ersten Mal auf einem Kontrabass mit Adrian (Saxophon) spielt. Mit diesem Hinweis klingen ihre 3 Töne zusammen mit dem Saxophon wie eine Jazz Miniatur.
15 Kindergärtnerinnen besuchen den Seelenraum, nach kürzester Zeit ergibt sich folgendes Spiel: Ein Teil singt eine Basslinie, ein Teil klatscht den Rhythmus und die anderen singen die Melodie und eine hat ihr Solo. Fertig ist der Blues von Miles Davis. Nach einigen Übungen erklang die Musik "aus dem Stand".
Wie wäre es, wenn wir vor Elternabenden oder Besprechungen mit dem Träger auf 1,2,3 zusammen eine Runde jammen? "Da könnten sich die Seelen stimmen und weiten."
Sie ist da, kommt immer wieder, macht mit oder schaut zu. "Danke", sagt sie.
Liebevoll einem Kind zuschauen, dann kann sich im Betrachter, auch wenn er das Kind nicht kennt, offenbaren, was aus dem Kind einmal werden könnte.
Kinder im Seelenraum: Die Kinder erziehen mich.
Wachsen und Welken begegnet uns in einem Kirschzweig mit Knospen, kurz vor dem Aufspringen, der vor uns auf dem Tisch steht. Wer für das Soziale baut, Immer wieder weiterbauen und Neues schaffen.
Wir sitzen um den Tisch und schauen uns an. Da fängt er an zu erzählen weil eine kleine Kerze brennt.
Der Körper ist, der Geist ist, die Seele ist nicht, die Seele erscheint. Es kommt darauf an, daß wir allem was uns begegnet unsere volle Aufmerksamkeit schenken.
Auch den kleinsten Dingen. Damit beseelen wir unsere Umgebung.
Genauso wie wir neues schaffen, müssen wir Platz machen, und Altes beseitigen.
Adriaan und Matthias, 23.2.2026